Impuls zu Weihnachten

Es gibt einen Song von Leonard Cohen (2008):

„There is a crack in everything, that`s how the light gets in“,

„Alles hat irgendwo einen Riss, aber genau das ist der Spalt, durch den das Licht einfällt.“

Ein phantastischer Gedanke, ein genialer Satz und ein programmatischer Hinweis auf die Frohe Botschaft von Weihnachten.

Täglich sind wir mit Rissen konfrontiert:

In unsere zerrissene Welt von Hass und Streit, von Terror und Gewalt geht ein Riss durch Länder und Völker, durch Religionen und Konfessionen, durch Gemeinschaften und Familien, durch unsere Beziehungen und durch uns selbst.

Es gibt viele Risse in unserer Kirche und in unserer Gemeinde, unter denen wir leiden. Wo wir um uns herum Zerstörtes und Zerbrochenes sehen, und wo wir uns selbst kaputt und verwundet fühlen – genau da kann eine neue Welt, eine andere Wirklichkeit aufleuchten.

Durch diesen Riss in unserem zerbrechlichen und verletzbaren Leben kommt das Licht.

Statt zu resignieren, sich selbst fertig zu machen oder in sinnloser Anklage zu verfallen, kann es die Berufung unserer Gemeinde sein, diese Risse als Einfalltor wahrzunehmen. Als Einfalltor für die Worte und Taten Jesu, für das Licht, die Wärme und die Orientierung, die er in unser Leben bringen will.

Unser Menschsein, unsere Würde, unsre Menschenrechte, unsere Zukunft als Menschen, das alles hängt für uns Christen mit der Menschwerdung von Jesus, dem Christus, zusammen.

Ich bin infiziert, nicht von einem todbringenden Virus, sondern von dieser lebensstarken Initiative Gottes, die alles, einfach alles überwindet. Immer wieder begegne ich Menschen, die sich von dieser Initiative Gottes beschenkt wissen.

Unser christlicher Glaube geht auf das Geschenk Gottes in der Menschwerdung Jesu.

Die Kreuz-geborene Liebe des Jesus von Nazareth, seine Hingabe in das bedingungslose Vertrauen zu Gott, seinem Vater, hat durch seine Geburt und seine Auferstehung in einzigartiger Weise den Himmel geöffnet.

Wir, die wir durch Raum und Zeit, durch Geburt und Tod in unserem Menschsein begrenzt sind, wir bekommen einen unbegrenzten Zugang in eine Wirklichkeit, die wir nicht fassen können, aber die wir sehr konkret erfahren und leben dürfen.

Pfr. Gottfried Keindl