Weihnachtsbrief von Pfr. Gottfried Keindl

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Weihnachten 2020

Zwei weihnachtliche Träume veränderten das Leben.

Als Josef, der Mann Mariens, träumte, verstand er die Engelsstimme und er sah für sich klar, so klar, dass er hinter dem Unwahrscheinlichen und Unglaublichen Gott gesehen hat. In der persönlich größten Krise half ihm das Vertrauen in die göttliche Spur, die Angst zu überwinden.

Als die drei Magier träumten, verstanden auch sie die Engelsstimme und erkannten, dass hinter der frömmelnden List des Königs Herodes die tödliche Gefahr von Machtmissbrauch lauerte und sie schlugen zum Schutz des Lebens einen anderen Weg ein. Die Botschaft für Josef und die Magier lautet: Beschützt bedrohtes Leben!

Weihnachten 2020

wird unsere Kirche verändern und unsere Gemeinde verwandeln.

Weihnachten 2020 findet mitten in der weltweiten Covid-19-Krise statt.

Ob wir inmitten unserer Krisen wieder Anschluss finden an den Glauben an einen Gott? Hören wir auf die Botschaft: Beschützt bedrohtes Leben!

Eine Frau in „guter Hoffnung“ ist schwanger, sie erwartet neues Leben, sie setzt Vertrauen in die Zukunft für sich und ihr Kind. Ohne dieses mütterliche Frausein gibt es kein menschliches Leben, auch wenn die Biogenetik den künstlichen Menschen formen will, wir sind soziale Wesen, die ohne die mütterliche Erfahrung von Fürsorge und Empathie verkümmern.

Es ist eine gewaltige Botschaft im Neuen Testament, dass es Frauen sind, die an den entscheidenden Stellen unseres christlichen Glaubens stehen – bei der Geburt Jesu ist es seine Mutter Maria – beim Sterben am Kreuz, sind es Maria, Maria von Magdala und andere Frauen (die Männer sind aus Angst geflohen) – und bei der Auferstehung ist es Maria von Magdala, die erste und herausragende Apostelin!

Weihnachten 2020

wird unsere Kirche verändern und unsere Gemeinde verwandeln.

Glauben die Frauen in unserer Kirche noch an einen Wandel der Kirche aus den festgefahrenen Denkmustern der männerorientierten Tradition?

Seien wir guter Hoffnung und kämpfen wir gemeinsam mit den Frauen für eine Zukunft in der Kirche, die nicht aus Angst krampfhaft die Unterschiede betont, sondern der Liebe Gottes und seiner Überraschungen vertraut!

Der Evangelist Lukas erzählt uns von dem Engelswort „Fürchte dich nicht“ gegenüber Maria und dem „Fürchtet euch nicht“ gegenüber den Hirten. In beiden Fällen löst das Engelswort die Angst vor einem „Zuviel“ an Gott, die Angst vor seiner Zumutung, die Angst die Begegnung mit dem Göttlichen mit dem Leben bezahlen zu müssen.

Sowohl Maria als auch die Hirten verstehen die Sprache der Engel. Sie, die Boten Gottes, wandelten und verwandelten die Angst in Freude.

Weihnachten 2020

wird unsere Kirche verändern und unsere Gemeinde verwandeln.

Hören und verstehen auch wir die Sprache der Engel: „Fürchtet euch nicht!“ Leben wir unseren Glauben an Gott als ein Fest der Freude.

Maria hat sich von Gott berühren lassen. Der Geist Gottes nahm Besitz von ihrem Geist, führte sie auf die Spur der „guten Hoffnung“. Als Maria mit Jesus schwanger wurde, hat sie die zu erwartende soziale und religiöse Lebenskrise mit guter Hoffnung gefüllt, weil sie die liebende und lebensspendende Nähe Gottes gespürt hat.

Diese innere Verbindung zeigte Wirkung, bewirkte in Jesus ein neues Leben, ein Leben, das Jahre später die Liebe des Vaters als eine Beziehung ohne Angst lebendig werden ließ, und die schließlich am Kreuz menschliche Grausamkeit verzeihen konnte und sogar den Tod überwand.

Weihnachten 2020

wird unsere Kirche und unsere Gemeinde verwandeln.

Glaube ich an Gott, an sein bedingungsloses JA zu meinem Menschsein? Glaube ich an Jesus, in dem Gott Mensch geworden ist, damit wir unser Menschsein menschenwürdig leben können?

Lassen wir  uns von  einer Liebe  bewegen, die  Freude und  Leid, die Selbstlosigkeit und Überforderung, die Heilung und Verletzung kennt.

Frohe und gesegnete Weihnachten

Pfr. Gottfried Keindl